Schreiben ist Schreiben – Loslassen

Einen Roman zu schreiben ist eine langwierige Sache. Die gängige Analogie ist: Eine Kurzgeschichte ist ein Sprint und der Roman ist ein Marathon. Meine persönliche Meinung dazu ist: Das ist falsch.

Nun nicht richtig falsch, aber auch nicht richtig richtig. Das Verhältnis stimmt meiner Meinung nach schon, aber die Dimensionen sind falsch. Ein Roman hat keine 42,195 Kilometer, er hat 400, 800 oder gar 4000 Kilometer. Das läuft man nicht mal eben an einem Tag und schon gar nicht, ohne sich zwischen durch mal eine kleine Pause zu gönnen.

Eine Kurzgeschichte kann man an einem Tag und am Stück schreiben, aber das wird dann kein 100 Meter Sprint, sondern ein 400 oder 800 Meter Lauf. Es gibt absolut keinen Grund herablassend auf die Kurzgeschichte zuschauen, den eine gute Kurzgeschichte ist 800 Meter Vollgas. Sie ist ein Edelstein, den es perfekt zuschleifen gilt, damit er seine volle Pracht entfalten kann. Der Roman ist dagegen ein auffälliges Stück Geschmeide, das aus vielen Edelsteinen und noch mehr edlem Metall bestehen sollte. Da muss jetzt nicht jeder Stein perfekt geschliffen sein, damit es trotzdem ein schönes Gesamtwerk ist. Das Metall hält alles zusammen und bildet damit das Gerüst des Ganzen. Zur Not geht es auch ganz ohne Edelsteine. Natürlich ist das Optimum das alles perfekt verarbeitet und jeder Stein perfekt geschliffen ist. Aber es fällt natürlich nicht so auf, wie bei dem einzelnen Stein, den man da unter die Lupe legt.

Wie üblich schweife ich etwas ab, was bei einem Roman eine Stärke sein kann und in der Kurzgeschichte tödlich ist. Beim Roman kommt es, der langläufigen und verbreiteten Meinung nach, darauf an am Ball zu bleiben. Es ähnelt einer Pilgerreise. Man läuft seine Strecke und erlebt den Weg. An dieser Stelle kommt, was kommen muss: Es gibt die Läufer und es gibt die Erleber. Die Diskussion was jetzt der bessere Weg ist, ist eine müßige: man ist was man ist. Ja, ich gebe es zu, ich bin ein entdeckender Schreiber. Meine Planung für jeden einzelnen Schritt des Romans hält sich in Grenzen, andererseits habe ich zwei Mal meine Pilgerreise erfolgreich abgeschlossen. Ich bin zweimal am Ziel angekommen und die Ergebnisse sind käuflich zu erwerben. Soweit so gut.

Natürlich bin ich dabei auch mal in einer Sackgasse gelandet und habe fünf Kapitel mitten im Projekt entsorgt, weil es in die falsche Richtung ging. Und ja das erste Ende ist jedes Mal – zurecht – im Mülleimer gelandet.

Hätte mir planendes Schreiben nicht einiges erspart? Ich hab es ganz am Anfang versucht und es war eine absolute Katastrophe. Es ist schlicht und ergreifend nicht meine Vorgehensweise. Der strikte Plan, wann was geschrieben werden sollte, war absolut tödlich für die Kreativität und die Motivation. Dennoch hat entdeckendes Schreiben natürlich auch seine Nachteile. Abgesehen vom Begriff selbst, aber dazu später. Es besteht immer die Gefahr, dass man sich verrennt und nicht da ankommt, wo man hin will. Das kann sogar gut sein, denn der Weg dorthin klar, logisch und ohne Handlungsbrüche ist. Und man einen tollen Abschluss gefunden hat.

Man kann aber auch an der Fähre zur Insel Mallorca landen, obwohl man eigentlich nach Andalusien wollte. Was macht man dann? Das kommt wohl auf den Startpunkt an. Kommt man aus Wien, kein Problem es liegt auf dem Weg. Kommt man aus Paris, ist es ein kleiner Umweg und sollte zu verschmerzen sein. Bei Madrid als Startpunkt sieht das schon ganz anders aus. Das war einfach die falsche Richtung. An der Stelle sollte man sich dann eingestehen, dass einfach immer weiter geradeaus laufen einen nicht an das gewünschte Ziel bringt. Und dann ist wird es hart. Fünf Kapitel wegzuwerfen ist nicht einfach, aber dreißig Kapitel sind das halbe Buch. Das schmerzt.

Nun bei meinem aktuelle Projekt habe ich natürlich die 30 Kapitel nicht weg geworfen. Ich habe ein neues Projekt mit dem gleichen Namen angefangen. Und siehe da, es läuft sich gleich viel leichter und beschwingter, wenn man ein besseres Gefühl bei der Sache hat. Etwas nachbessern ist in Ordnung, aber bei Zusammengeschustertem muss man dann noch sagen, ne daraus wird nichts Ordentliches mehr.

Loslassen kann ungemein befreiend sein. Der Ballast ist weg, aber die Erfahrung bleibt.
Ein tolles Schlusswort, oder? Na fast, eine Sache habe ich noch: entdeckendes Schreiben. Ich halte das genauso unglücklich aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt wie „Show, don’t Tell“. „Zeigen, nicht Erzählen“ was sagt das aus? Meiner Meinung nach besser wäre „Erleben lassen, nicht mitteilen.“ eine vielleicht passendere Übersetzung. Das Erzählen hat im deutschen meiner Meinung eine ganz andere Bedeutung und Tradition. Den Grundsatz für spannende, mitreisende Geschichten kannten schon die alten Sagen. Man findet das auch in den Märchen der Gebrüder Grimm. Nichts bahnbrechend Neues also. Das kann aber auch schnell langartig und ausufernd werden. Die Deko braucht kein eigenes Spinn-off, da reicht dann vielleicht ein einzelner Nebensatz.

Zurück zum „entdeckenden Schreiber“. Ich bin mit dem Begriff wahrscheinlich genau so unglücklich wie Sabine Schäfers in ihrer Reihe „Schreibtipps für Bauchschreiber“, den schließlich verwendet sie den Begriff „Bauchschreiber“. Ist das also nur was für Bauchmenschen? Ich behaupte nein. Schließlich bin ich ein diplomierter Maschinenbau-Ingenieur und damit ein Kopfmensch. Zahlen, Berechnungen, Konstruktionen all das sollte perfekt passen, bevor man wo möglich Menschenleben aufs Spiel setzt. Dennoch sollte man immer zusätzlich eine Überschlagsrechnung mit dem guten Rundungsdaumen machen. Ein Komma kann schnell mal verrutschen.

Warum schreibe ich dann jetzt nicht planend und ich komme trotzdem ans Ziel? Zuerst: nachvollziehbare  Überraschungen in einem Roman sind gut! Zweitens der Begriff „entdeckender Schreiber“ ist für mich falsch. Ich bin ein „entwickelnder Schreiber“. Das ist ähnlich, aber nicht das gleiche. Obwohl man etwas auswickelt und dabei dann das vorher Verhüllte entdeckt. Ich weis von welchen Startpunkt ich aus losgehe. Ich weis wohin ich will. Was ich nicht weis, ist was mich alles auf dem Weg erwartet. Es macht für mich den besonderen Reiz aus in dem Moment eine Lösung zu entwickeln, in dem der Weg einem ein Problem stellt.

Was hier den guten Ingenieur vom einem schlechten unterscheidet, ist das man unterscheiden kann ob etwas, trotz Schwierigkeiten, zu einem Guten gebracht werden kann, oder ob der Ansatz schon falsch war. Loslassen kann da Ressourcen für die guten Dinge freimachen.

In dem Sinne: Neuer Weg, neue Hindernisse. Das Leben ist zu kurz für Stückwerk.

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Perry Rhodan 2803 gelesen und …

Perry Rhodan 2803 gelesen und … ein echt zäher Anfang!

Hier ist er nun, der erste Roman von Marc A. Herren nach seiner langen Pause.

Vielleicht lag es an meiner persönlichen Tagesform, aber der Anfang zog sich zäh dahin, da war die Sache mit der Posmi – mit der ich dann doch etwas gefremdelt habe – noch ein Highlight. Nun, das andere fiel wahrscheinlich unter die Rubrik Warmschreiben. Hier scheint sich doch der Spruch „wer rastet, der rostet“ zu bewahrheiten. Die Pause will ich um Gotteswillen nicht kritisieren. Ja, es war eine harte Zeit für die Fans, aber schließlich gibt es persönliche Dinge im Leben, die weit wichtiger sind, als Romane für Perry Rhodan zu schreiben. Und jetzt kein aber, das ist so. Punkt.

Es dauert einige Seiten, aber es wird besser. Die Sache mit der Posmi hatte durchaus ihre Momente, aber die Stellen, in denen die Tiuphoren zu Wort kommen, haben mich mehr überzeugt. Die waren richtig klasse. Ein gelungener Blick in die fremde Welt der Tiuphoren. Ich wünschte, so hätte der 2700er Zyklus mit den Onryonen angefangen.

Meine Kritik an der Posmi bezieht sich dabei allerdings nicht auf die Figur, sondern auf dem penetranten Herumreiten auf dem kleinen Unterschied. Nein, nicht dem zwischen Männlein und Weiblein, sondern auf dem zwischen Posbi und Posmi. Mir erschließt sich die Notwendigkeit dafür nicht wirklich. Ja, ja, es ist Tradition das künstliche Intelligenzen in der Serie einen leichten Sprung in der Schüssel haben müssen, aber das darf sich ruhig im Handeln der Figur ausdrücken, das muss nicht mit aller Gewalt ein “Das wüste ich aber!” sein.

Aber auch später im Roman gibt es einige Stellen, an denen ich mich frage: wirklich? Nicht alle Handlungsteile sind wirklich logisch nachvollziehbar. Und ja richtig, es waren die mit der Posmi Aurelia. Dabei lag es weniger an der Figur Aurelia, mit der ich dann doch noch warm geworden bin. Wie gesagt, die Figur hatte durchaus ihre Momente. Das Problem waren einfach Handlungskonstrukte, die ich mich aus dem Lesefluss geworfen haben. Stellen, an denen ich mich als Leser gefragt habe: wirklich?

Es gab also einiges zu meckern, allerdings hat sich das Durchhalten dann schlussendlich doch gelohnt. Ab der Hälfte sind Autor und Leser dann doch noch mit dem Werk warm geworden. Vielleicht hat Gucky es dann doch mal wieder gerettet ;).

Das war jetzt kein Meisterwerk, aber nichts was mich daran zweifeln ließe, das Marc A. Herren seine alte Form schnell wieder erreichen wird. Der Flugrost sollte jetzt jedenfalls runter sein …

* PERRY RHODAN ®, ATLAN ® und Mausbiber Gucky ®
 sind eingetragene Warenzeichen der Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt
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Rezi: Michael Markus Thurner: Der unrechte Wanderer

Michael Marcus Thurner: Der unrechte Wanderer.

Eigentlich wollte ich ja nicht, aber dann, in einem schwachen Moment, habe ich es dann doch getan: Ich habe mir Michael Marcus Thurners neuen Roman „Der unrechte Wanderer“ gekauft und gelesen.

Der erste Roman „Der Gottbettler“ hat bei mir ein zwiespältiges Gefühl hinterlassen und auch nicht jeder Roman von ihm für die Heftserie Perry Rhodan hat mich mit unbändiger Begeisterung erfüllt. Nun denn, wie gesagt, es war ein schwacher Moment.

Die Anfänge des Romans ließen da dann auch Schlimmes befürchten. Es tauchen Charaktere auf, von denen man wenig weiß und die sich einem nicht auf Anhieb offenbaren. Es ist ein gutes Stück Arbeit diese Figuren dann kennenzulernen und sich Dinge zusammenzureimen. Einige Figuren kennt man schon aus dem Gottbettler, wie die Hexe Terca (eine meiner Lieblingsfiguren im Gottbettler) und dem Zauberer/Zauberlehrling Pirmen.

Aber anders als der Gottbettler, der sehr stark anfängt und dann erst mit dem Schluss kläglich einbricht, begibt man sich hier auf eine Entdeckungsreise, die einen durch eine mittelalterliche Fantasywelt führt, in der es genau so bestialisch stinkt, wie es damals wirklich in den Gassen einer mittelalterlichen Welt gestunken haben muss. Da duftet es bei weitem nicht nach Rosen, da gibt es keine Märchenprinzen auf Pferden, die die holde Prinzessin retten. Nein hier heißt es Gummistiefel an und ab durch die Maue.

Und was soll ich dazu sagen? Es hat sich gelohnt!

Am Schluss fügen sich alle Pusselteile perfekt ineinander und zum Vorschein kommt ein Meisterwerk. Michael Marcus Thurner macht es dem Leser nicht leicht, aber das Leben ist kein Ponyhof. Wer rosa Einhörner und Fantasy-Kitsch will, der ist hier definitiv an der ganz falschen Adresse. Man kann vielleicht den Figuren und der Handlung vorwerfen, dass sie vielleicht etwas überspitzt sind. Da mag den Autor der gleiche Zorn gepackt haben, wie ihn einige seiner fiktiven Geschöpfe durchleben, aber das Ende hat, zumindest bei mir, das Gefühl hinterlassen ein Meisterwerk gelesen zu haben.

Vielleicht lag es ja an der Moral von der Geschichte. Welche das ist? Das müssen Sie schon selbst lesen, es lohnt sich.

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Alles neu macht der Mai …

… und zwar den „Hydorgol – Der Alpha Centauri Aufstand“.

Neues Cover, neues Glück. Wie schon bei „Hydorgol – Inquisition“ hat die begnadete Künstlerin Sina Souza das Coverbild gestaltet. Aber das erste Buch aus der Hydorgol-Reihe ist nicht nur außen aufgefrischt, auch innen wurde fleißig unter der Haube geschraubt.

Quasi: 50% mehr Kommata, 50% weniger Fehler, mindestens 😉

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Buchcover „Hydorgol – Der Alpha Centauri Aufstand“

Buchcover "Hydorgol - Inquisition"

Buchcover „Hydorgol – Inquisition“

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Das BB Ebook Event 2015, ein netter Nachbrenner …

Ja, das BB E-Book Event 2105 ist leider vorbei. Es gab eine ganze Menge toller Geschichten und Literatur zu erleben, für die man im realen Leben eine ganze Menge Zeit und Geld hätte aufwenden müssen, um zu den jeweiligen Orten zu gelangen. Hier ging das vom heimischen Sofa aus – mit ein paar Mausklicks. Wie? Hier gibt es eine einfache Anleitung von Thorsten Küper.

Und um die noch mal zu ärgern, die es versäumt haben – Na viele können es nicht gewesen sein, denn die Lesungen waren alle wirklich gut besucht –  hier noch eine kleine Rückschau in zwei Teilen, die BukTom Bloch zusammengestellt hat.

Teil 1:

Teil 2:

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