Schreiben ist Schreiben – da war einer schneller (Das atopische Tribunal).

Ich vermute mal, das ist die Horrorvorstellung eines jeden Autors: Man überlegt sich ein Konzept, das man für neu und noch nie da gewesen hält – und dann, kurz vor Ende des eigenen Projektes, liest man es woanders.

Was macht man dann? Alles weg werfen und was anderes machen? Na, das ist vielleicht eine Möglichkeit, wenn man gerade erst damit angefangen ist. Aber auf der anderen Seite: Gibt es eine Geschichte, die nicht schon mehrfach erzählt worden ist?

Nehmen wir z.B. die Zeitreise und ihre klassischen Paradoxien, wie Mann X reist in die Vergangenheit, und tötet seinen eigenen Großvater dabei. Oder die Zeitung aus der Zukunft, in der die Sportwetten stehen, die einem zu unglaublichem Reichtum verhelfen können.

Alles schon Mal da gewesen, ja. Und das nicht erst nach der Erfindung des Buchdrucks. In der Form der selbsterfüllenden Prophezeiung. Die Geschichten aus dem antiken Griechenland, in der der tragische Held zum Orakel von Delphi pilgert. Was ist die Prophezeiung der Zukunft nichts anderes als eine Zeitreise von Informationen? Ödipus hätte weder seinen Vater erschlagen, noch seine Mutter geheiratet, wäre er nicht als Baby in ein anderes Königreich verbannt worden. Jedenfalls nicht auf die Art und Weise.

Die Frage nach dem „was-wäre-wenn“ treibt die Menschheit wohl schon seit dem Zeitpunkt ins Grübeln, seitdem es ein Bewusstsein dafür gibt einen Fehler gemacht zu haben, den falschen Weg gewählt zu haben. Vielleicht schon in dem Moment, in dem man sich für einen Weg entscheiden muss.

Ein spannendes Thema, denn sich immer noch neue Aspekte abgewinnen lassen. Besonders wenn einem klar wird, das es nicht die eine Zeit gibt, sondern vielleicht eine unendliche Anzahl von parallelen Universen, die erst durch die getroffenen Entscheidungen entstehen. Aber das ist jetzt ein anderes Thema.

Mein Thema war: Was passiert, wenn jemand Mächtigeres kommt und im Namen der Opfer, um nicht das böse Wort des Kollateralschadens in den Mund zunehmen, vom Sieger verlangt Rechenschaft für sein Handeln abzulegen?

Nun so originell ist der Gedanke vielleicht dann doch nicht gewesen, denn mit genau diesem Anspruch fällt „Das atopische Tribunal“ in das Perry Rhodan* Universum ein. Eben jener Held der im seit 1961 jede Woche einen 60-seitigen  Fußabdruck hinterlässt. Das dabei die eine oder andere Atom-Handgranate geflogen ist, oder ganze Sonnensysteme durch eine Supernova gesprengt wurde, lässt sich jetzt nicht leugnen. Natürlich war die Serie immer ein Kind ihrer Zeit und da wurde – vor allem in den Anfängen – noch eine Menge Kleinholz hinterlassen. Im Wandel der Zeiten änderte sich das, die Serie wurde humanistischer und dann später zog an der einen oder anderen Stelle dann doch noch wieder das Militär massiv die Fäden. Und das nicht nur auf Seiten der Gegner.

Soweit so gut. Daher fand ich den Ansatz für das atopische Tribunal für die Serie bahnbrechend. Da kommt jemand und klopft dem Helden der Serie, für das, was er in den letzten 5000 Jahren seines Lebens so angestellt hat, auf die Finger.

Nun der Start war nicht ganz nach meinem Geschmack, aber das Konzept hatte eine ganze Menge Potenzial für eine Menge abgefahrene Geschichten. Ob die Umsetzung gelungen war oder nicht? Nun, das muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Schließlich ist das eine eher subjektive Frage und – es geht mit dem Zyklus in die Verlängerung. Es sind noch alle Fragen, nach dem wer, und warum, da im Hintergrund seine Fäden zieht, offen.

Also erstmal ein Schock wen man das dort gelesene mit seinem eigenen Projekt vergleicht. Lese ich zu viel Perry Rhodan*? Das ist durchaus möglich ;). Aber das eigene Projekt unterscheidet sich dann glücklicherweise doch in der Ausführung und Konzeption.

Besser, schlechter oder, ganz fatal, einfach nur gleicht? Ich finde, das ist die falsche Frage. Was wirklich zählt, ist der eigene Gedanke, der andere Blickwinkel auf die, hinter dem Konzept stehenden, Fragen. Es wäre schlimm, wenn die endgültige Wahrheit schon gefunden wäre und man den Dingen keine neuen Aspekte abgewinnen könnte.

Von daher bedanke ich mich bei allen, die mein Leben mit ihren tollen Geschichten bereichert und meinen Horizont mit ihren Fragen erweitert haben.

Ohne das gäbe es dieses Machwerk nicht – ob es gelungen ist? Ich lade dazu ein das herauszufinden 😉

* PERRY RHODAN ®, ATLAN ® und Mausbiber Gucky ®
sind eingetragene Warenzeichen der Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

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2 Responses to Schreiben ist Schreiben – da war einer schneller (Das atopische Tribunal).

  1. Na ja, das ist zwar wirklich der Alptraum von wahrscheinlich jedem Autor, der auf sich hält, aber wie du schon sagst — es kommt auf die Ausführung an. Gib zehn Autoren zehn Stichwörter in die Hand, und wenn du lange genug wartest, entstehen 100 grundverschiedene Geschichten daraus, weil jeder etwas anderes daraus macht und ein Jahr später schon wieder einen ganz neuen Ansatz wählen würde.

    Dein Buch liegt auf meinem SUB ganz oben 🙂

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