Schreiben ist Schreiben und … malen nach Zahlen

Leugnen ist zwecklos, das Thema Schreiben und das damit verbundene Drumherum lässt mich doch nicht ganz in Ruhe. Eigentlich sollte ich an meinen eigenen Projekten arbeiten, anstatt hier an diesem Blogartikel zu schreiben.

Wahrscheinlich ist das das Rezept der erfolgreichen Schriftsteller: es tun, anstatt zu viel darüber nachzudenken. Andererseits man lernt aus seinen Fehlern, nicht aus seinen Erfolgen. Warum über Dinge nachdenken, die funktionieren?

Stöbert man im Internet zu dem Thema wird man schnell fündig: Ratgeber und Diskussionen an allen Ecken und Enden. Mache gut, mache so eher nicht. Was mir relativ schnell aufgefallen ist: es wird fleißigst von einander abgeschrieben.

  • Kill your Darlings

  • late in, early out

  • Konflikt, Konflikt, Konflikt

  • und wie sie alle heißen mögen …

Die gängigen Tipps werden wie ein Mantra fleißig wiederholt. Ganz falsch sind sie nicht, aber auch nicht die reine Wahrheit. Vieles ist über den großen Teich geschwappt. Verständlich, den dort wird Schreiben als Handwerk begriffen, das man lernen kann. Im Gegensatz zur vollkommen versnobten Meinung „Genie ist angeboren“, die man als klassisch Deutsch ansehen kann. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte.

Nicht jeder wird, so viel wie er sich auch müht, es auf den Olymp schaffen, aber das ist bei weitem kein Grund es nicht zu versuchen. Ein kleiner bis mittlerer Berg ist machbar. Die Zeiten sind, wenn man es recht betrachtet, so günstig wie nie.

Um einen ganz bösen Satz zu zitieren: „Jeder Analphabet und sein Hund kann heute veröffentlichen“. Dieser Satz ist böse, hinterhältig und zu dem noch falsch. Ein Analphabet, der ein Buch geschrieben hat, ist nachher kein Analphabet mehr. Wie hätte er sonst Buchstaben zu Wörtern, Wörter zu Sätzen und Sätze zu einer Geschichte zusammen fügen können?

Gut, der Satz ist im übertragenen Sinne gemeint und überspitzt. Zwei Dinge stecken meiner Meinung nach dahinter:

Erstens: Ein Mangel an Qualität.

Das hängt wiederum an zwei Dingen. Mangelndes Handwerk und noch viel schlimmer: die Werke sind einfach noch nicht fertig!

Ich stehe auf Analogien, ich kann es nicht leugnen. Meine persönliche Analogie ist die des Schmieden eines Schwertes. Da folgen eine ganze Menge Schritte aufeinander. Erstmal man braucht die richtigen Ausgangsmaterialien, Werkzeug, eine Schmiede und natürlich das handwerkliche Können. Und natürlich Zeit und Konzentration.

Kein Meister ist je von Himmel gefallen. Man muss das Handwerk einfach lernen und das heißt üben, bewerten, korrigieren. Ein permanenter Prozess. Dabei arbeitet man zudem vom Groben ins Feine und schmiedet das Eisen solange es heiß ist. Dann wird gerichtet, kleinere Schwachstellen ausgebessert, gehärtet und dann geschliffen und poliert.

Diese Analogie funktioniert für mich, aber sie hat auch ihre Schwachstellen, bzw. es gibt für einige Aspekte bessere Analogien. Eine andere gute ist vielleicht die des Whiskymachens. Eine Menge Weichen für den Whisky werden schon gestellt, bevor der eigentliche Brand gestartet wird. Was für ein Getreide wird genommen, wie wird es gemälzt, mit Rauch oder ohne? Dann der Brand, das muss dann hoch konzentriert und zügig vonstatten gehen. Schließlich die Fassreifung. Da kommt es dann auf Ausdauer und Geduld an. Die Fässer sollte man aber cleverer Weise vor den Brand ausgesucht und fertig zum Befüllen haben.

Zurück zum eigentlichen Thema. Nein, kein Manuskript ist ein Rohdiamant und der Betrachter ist nur zu doof ihn in der Schlacke zu finden. Das Schwert ist krumm und nicht gehärtet, vom Schliff und Politur mal ganz abgesehen. Vor dem Brand hat man die tote Ratte nicht aus dem Gemälzten genommen. Da nützen einen dann die besten Zutaten und die besten Fässer nichts, ein Hauch von toter Ratte bleibt. Kurz das sind handwerkliche Fehler, die man vor der Veröffentlichung besser ausmerzen sollte.

Wer sehr viel Glück hat, hat einen Meister bei dem er/sie lernen kann. Dieses ist aber den meisten verwehrt. Es gibt aber Kurse, Schreibgruppen und gute Testleser. Hüten sollte man sich nur vor den Testlesern die auf Tote Ratte im Whisky stehen 😉

Wie gesagt es ist noch kein Meister von Himmel gefallen. Üben, üben, üben. Auch mit übertragenem Malen nach Zahlen anzufangen ist nicht falsch. Man sollte sich nur schnell wieder davon lösen und irgendwann zum freihändigen Malen übergehen, wenn man es auf den etwas höheren Berg schaffen will.

Zweitens: die Angst um das eigene Stück vom Kuchen

Besonders verbreitet bei denen, die von Kuchen leben müssen und absolut verständlich. Der Kuchen ist nicht beliebig groß und das Verteilungssystem war über Jahrzehnte ausgeklügelt und relativ stabil.

Nur, die Zeiten ändern sich und wer sich nicht anpasst, geht unter. Wobei anpassen nicht ducken sondern auch kämpfen bedeuten kann. Man sollte dabei nur die richtigen Schlachten schlagen.

Auf die vielen Hobbyschreiber zu schimpfen halte ich für ethisch grenzwertig und langfristig für tödlich. Denn das sind diejenigen, die lesen und sich für Literatur interessieren. Auch wenn es der „Hausfrauenroman“ sein mag. Auch den kann man gut schreiben. Ausgebildete Leser, die das Handwerk kennen und schätzen, bemerken den Unterschied zwischen gut und schlecht eher als der reine Konsument. Literatur nur für die oberen 10.000 Snobs, das erledigt sich irgendwann von selbst. Niemand fängt freiwillig mit Kafka als erste Lektüre an. Und mal ehrlich, mich hätte der in der Schule fast vom Lesen vergrault.

Auch auf das große A zu schimpfen ist nur ein Teil der Wahrheit. Ja, sie haben in den Staaten eine Wüste hinterlassen, aber das liegt nicht an Amazon, sondern an den Leuten die den Raubtierkapitalismus zum Kredo erhoben haben. Nachhaltigkeit ist hier das Stichwort. Ja, es muss auch Schutzzonen für die Kleinen und Schwachen geben, in denen die einen wachsen und die anderen genesen können. Was aber jetzt nicht weißt, das alles zur Schutzzone für die Dinosaurier erklärt werden sollte. Kundenfreundlichkeit und Geschäftssinn sind willkommen, Dumping und verbrannte Erde hinterlassen nicht!

Was auch heißt, das es absolut notwendig ist, den Nachwuchs zu fördern und zu bilden. Unter den Autoren, aber auch besonders unter den Lesern.

Analphabeten lesen nicht und kaufen keine Bücher!

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2 Responses to Schreiben ist Schreiben und … malen nach Zahlen

  1. fenrir sagt:

    Ich denke mal das das Spaß am Schreiben mit das wichttigste ist. Den gilt es zu fördern. Und eben auch speziell MEnschen zu ermutigen, die dies sonst nicht tun würden. Das ist doch die große Chance des I-Net. Menschen zu ermutigen etwas über Ihre Sicht der Welt zu schreiben.
    Ob klein ob groß, ob Analphabet, oder geringe Bildung. Interesse wecken sollt die Herausforderung sein. Ich bin wegen meiner Rechtschreibung sehr oft von quakig-dämlichen Elitebloggern angegangen worden.
    Ich finde deinen Text gut. Jeder der liest, der seine Gedanken in die Welt bringen möchte, sollte dazu auch seine Chance bekommen. Die „Qualität“ (wer beurteilt das eigentlich.) lasse ich erst mal dahingestellt. Ist zunächst einmal nicht wichtig.

  2. Hydors Golem sagt:

    Hallo Fenrir,

    ja da hast du recht. Mich hat der Satz mit den Analphabenen auch aufgeregt. Und der Artikel sollte durch aus ein Plädoyer dafür sein, seine Gedanken und Gefühle auszuschreiben (zu Papier birngen, passiert ja nicht mehr ganz so häufig).

    Zum Thema Qualität: mittlerweile finde ich es wichtig darauf zu achten. Das war nicht immer so. Ehrlich gesagt habe ich mich Anfangs mit dem Schreiben beschäftigt, weil ich ebenso so mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß stehe. Auch heute noch gewinnt die Rechtschreibung öfter mal eben nicht.

    Ob das jetzt „be-“ oder „ge-“ heißen muss? Mittlerweile fällt es mir selber auf, eben weil ich darauf besonders achte. Für den Sinn des Geschriebenen macht das einen großen Unterschied.

    Es wird nur besser wenn man sich seinen Fehlern stellt. Die ersten Kapitel meines ersten Buches wurden damals in engelsgleicher Geduld von Melanie von Markus nach Deutsch übersetzt.

    Aber Rechtschriebung ist nicht alles, der eigentliche Inhalt des Textes ist viel bedeutender. Aber leider gib es den Schlag Menschen, der nach dem Motto urteilt:

    „Kannst man nichts zum Inhalt sagen, kann man sich immer noch über Rechtschreibung und Grammatik auslassen.“

    Ein Fremder sollte die Texte aber dennoch ohne Übersetzung verstehen können…

    Grüße

    Markus

    — Nachtrag —
    Wobei sich das Ganze auf einen Roman bezieht, dort hat man – im Gegensatz zu einem Blog – mehr als genug Zeit um sich den Arbeitsschritten nach der ersten Rohfassung zu widmen …

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