Schreiben ist Schreiben … zurück ans Zeichenbrett

Heute ist der Tag, an dem ich mich wieder als Schrittsteller/Autor fühle. Warum?

Lassen wir die ewige und eigentlich vollkommen belanglose Frage nach dem Unterschied zwischen dem Schriftsteller und dem Autor beiseite und kommen wir zum Kern der Frage; warum zweifelt man an seinem Selbstverständnis?

Zwei Bücher sind – wie auch immer – veröffentlicht, zwei weitere sind fertig oder so gut wie fertig. Was hat dann dazu geführt, dass man sich nicht als Schriftsteller/Autor fühlt?

War es der Zweifel am eigenen Werk? War es der darauf folgende Zweifel am eigenen Können? War es der darauf folgende Zweifel am eigenen Selbst?

Man ist Schriftsteller/Autor wenn man schreibt. Punkt. Wirklich? Warum dann die Zweifel? Im Amerikanischen ist ein Schriftsteller/Autor „The Writer“ und „If the writer writes, he/she is a writer.“ So einfach, so simpel, so elegant?

Nicht wenn man aus einer anderen, komplexeren und damit auch komplizierteren Sprache kommt. Man ist kein „Schreiber“, man steht nicht in der Tradition des intellektuellen Geistes hinter dem Pharao. Im strengen Sinne des Wortes ist man als Schriftsteller der Zulieferer für die Verlags/Literatur-Manufaktur-Kette.

Fragen über Fragen und dennoch kommt man, oder eigentlich nur ich, nicht weiter. Was fehlt? Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin: ich vermisse die Frage nach des Pudels Kern, die Seele der Sache, über die man – besser: ich – schreibe.

Diese Situation ist mir nicht unbekannt und mein eigentliches Selbst, der Ingenieur, hat dafür eine Lösung: Wischen wir alles vom Tisch und fangen wir am Zeichenbrett von vorne an. Bin ich in das Projekt ohne eine Geschichte gestartet, die erzählt werden muss, hat die Sache etwa keine Seele?

Nachdem ich mir mein altes Notizenbuch aus den Anfängen des Projektes vorgenommen habe, lautet die Antwort: nein. Es gab eine Grundidee, ein Thema, die Frage nach dem Kern der Dinge. Das Problem ist, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, ich alle diese Dinge habe ich auf dem langen Weg und vieler Wirrungen unterwegs verloren.

Und so heißt es zurück ans Zeichenbrett und zurück zu einer Geschichte, die erzählt werden muss.

Was es nicht heißt, ist das alles was in Jahren und zwei NaNoWriMos entstanden ist wegzuwerfen und nochmal das Rad des Neuanfangs zudrehen. Es heißt, dass was man hat, zu beenden und später nochmal mit der Seele im Sinn zu überarbeiten.

Und was noch viel wichtiger ist: Es heißt, die Geschichte zu Ende zu erzählen. Und damit steht das nächste (Teil-) Projekt im Raum. Das was der eigentliche Kern des Schriftstellers/Autors ist: Das nächste Projekt, auf das man sich freut. Die Geschichten, die alle noch erzählt werden müssen.

Die großen Dinge, die großen Fragen, das Wichtige.

Der Weg, der noch vor einem liegt.

Die Reise beginnt wieder, das Gefühl des Schriftstellers/Autors ist wieder da. Und das gar nicht so kleine Notizbuch, das im Notfall wieder auf den richtigen Weg zurückführt.

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Ein Kommentar zu Schreiben ist Schreiben … zurück ans Zeichenbrett

  1. Markus R. sagt:

    Ein interessanter Text!
    Zum Thema „Bin ich ein Schriftsteller?“ habe ich mir zwei Aussagen berühmter Menschen gemerkt. Zum einen Andreas Eschbach, der ganz simpel definiert: Wer einmal das Wort „ENDE“ unter ein Manuskript getippt hat, darf sich Autor nennen.
    Ich möchte mal behaupten, das gilt bei dir definitiv. 😉
    Und Robert Corvus hat einmal ausgeführt, dass sich jeder Kreisklassen-Kicker sich als „Fußballer“ bezeichnet, obwohl er mitnichten also Profi ne Menge Geld verdient. Gleichermaßen darf sich auch ein „Kreisklassen-Schreiber“ auch als „Schriftsteller“ bezeichnen, auch wenn er nicht mit einem Verlagsvertrag ne Menge Kohle verdient.
    Ich persönlich finde diese Betrachtungsweise sehr ermutigend.
    Und sie stimmt auch!
    Ich bin noch lange nicht beim „ENDE“, dauert noch ein bisschen.
    Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg mit dem wiedergefundenen Schwung! Man darf gespannt sein, was schließlich dabei herauskommt!

    Und was, zum Henker, ist ein NaNoWriMo? Am Ende glaube ich „Writing Month“ dechiffrieren zu können.

    Viele Grüße

    Markus

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