Welten an Drähten und wahre Namen X, einmal Hölle und zurück

Heute gab es mal keine Science Fiction, also mal die Gelegeheit zu testen wie den eine Lesung im virtuelle Raum bei den Analog-Natives (meinen eigenen Eltern) ankommt. Nun beide haben es – trotz heute leider auftretender technischer Problem mit dem Ton – fast bis zum Ende auf der unbequemen Eckbank in der Küche ausgehalten. Ein gutes Zeichen denke ich.

Gelesen hat heute E.M.Jungmann aus der Anthologie „Zur Hölle einfach weitergehen„. Thema war eine der sieben Totsünden: der Neid. Die anderen Sünden werden von jeweils passend zum Thema ausgesuchten Autoren in der Anthologie behandelt.

Beide Haupt-Charaktere der Geschichte waren jetzt keine charmanten Identifikationsfiguren, ob man sich jetzt selbst Schriftsteller oder Autor nennen mag, aber erschreckender Weise lassen sich die dunklen Stellen der eigenen Seele dort wiederfinden.

Die Moral von der Geschicht? Nun ich bin mir nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich die: jeder hat ein paar Leichen im eigenen Keller liegen. Oder ganz offen im Wohnzimmer, wie im Kafé Krümelkram. Wahrscheinlich war der Keller schon voll 😉

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Neue Welten, neues Glück. Lesung Kueperpunks in Craft-World

Wer eine Reise tut hat was zu erzählen, oder doch zumindestens ein paar Bilder für den Dia-Abend. Und ich muss sagen das was man so am Ort der Lesung in Craft-World sieht macht was her! Gekonnt und mit viel Leibe zum Detail gebaut. Allein für das Zinnfiguren-Museum auf der anderen Straßenseite hat sich der Ausflug in das andere Grid schon gelohnt. Die Bilder sind weiter unten.

Thorsten Küpers „Nerdy but lovin it…“ ist jetzt nicht ganz unbekannt, aber immer noch einen Besuch wert. Gregors Smartphone läßt einen überlegen, ob das eigene Smartphone jetzt wirklich alle eigenen Daten braucht – aber es ist einfach zu praktisch. Die anderen Geschichten glänzen aber auch mit ein paar kleineren und größeren Gemeinheiten.

Zum Abschluss dann, noch etwas ungewohnt, eine englischen Geschichte von Thorsten Küper, Haptic. Übersetzt wurde diese von Michael Iwoleit für die internationale Ausgabe von Nova: Internova.

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Welten an Drähten und wahre Namen IX, Live for Life 2

Der zweite Teil der Lesungen der Cyberpunks for Life ist nun gelaufen. Ich sitze noch etwas im Garten der Erinnerungen und lassen meine Eindrücke Revue passieren.

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Es gab zwei doch sehr unterschiedliche Themen heute:

Zum einen Bernhard Gierschens „Das letzte Sandkorn“, eine eindringliche Sammlung von Innenansichten der Protagonisten zum Gott befohlenen Weltuntergang. Mit sehr glaubwürdige Schilderungen der Charaktere. Nicht alle umgedingt sympatisch, aber doch kann man sich in sie hineinversetzen. Sollte einem das jetzt Sorgen machen?

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Dann Thorsten Küpers „Demeters Garten“ eine Geschichte aus der Kurzgeschichtensammlung „Fieberglasträume“. Schwarzer und skuriler Humor wobei besonders die kleinen Gemeinheiten wie der „Felatiotintenfisch“ und das frisch geschlüpfte Geschöpf, dessen erste Worte – nein, nicht Mama, Papa oder Fressen sind – sondern: „Könnte ich bitte auch so einen Espresso haben?“ gefallen.

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Eine Frage die ich mir jetzt auch stelle, aber mit Blick auf die Uhrzeit: Hm, stellen wir diesen Punkt auf der Tagesordnung etwas zurück. Es ging hier schließlich auch um den guten Zweck. Ich denke da gebührt alle beteiligten Autoren ein extra Applaus!

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Mehr Bilder, man braucht es wohl fast nicht mehr extra zu erwähnen, bei BukTom Block.

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Welten an Drähten und wahre Namen VIII, Live for Life

Düsterer Cyberpunk für einen guten Zweck: Cyberpunks for Life.

nach einer lange aufgeschobenen Software-Update Orgie bei der eigenen IT gestern und heute hat es doch noch mit dem Besuch der Lesungen von Christian Günther und Michael Iwoleit geklappt.

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Christian Günther hat die Geschichte „Zeit der Asche“ aus der Kurzgeschichtensammlung Fieberglasträume gelesen, beziehungsweise die Geschichte aus der Sicht seines Charakters, der #Hanse. Die Fieberglasträume sind meine aktuelle Lektüre und ich muss sagen es ist nicht durchgängig alles Gold in der Sammlung, aber es sind einige wirkliche Perlen dabei. „Zeit der Asche“ mit seinen zwei Komplementären #Rheingold und #Hanse ist definitiv eine Erwähnung wert: düster, gewalttätig und post-post-apokalytisch – vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber doch als Gesamtkunstwerk zu sehen.

Michael Iwoleit ist jetzt in diesem Blog schon fast omnipräsent. Dieses Mal hat er eine post-apokalytische Cyberpunkgeschichte der anderen Art aus Nova 21 gelesen. Was macht der Cyber-Kybernetiker wenn einem die Frau abhanden kommt? Er baut sie sich aus geklauten Teilen neu zusammen! Das kann klappen, kann aber aber auch für den Protagonisten böse enden, wenn einem die künstliche Frau auf die Schliche kommt …

Und nach den Lesungen ging es dann zur Entspannung der gequälten Seelen gleich düster weiter, einfach mal die Bilder wirken lassen … Mehr Bilder natürlich wieder beim rasenden SL-Reporter BukTom Block. Morgen geht es dann mit zwei weiteren Lesungen zum guten Zweck weiter (mit einer weiteren Perle aus Fieberglasträumen, kann ich wohl schon spoilern). Die komischen weißen Ringe sind übrigens die Spendeboxen für die American Cancer Society. Wie heißt es doch so schön: das letzte Hemd hat keine Taschen, use it now!

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alternative Welten – Steampunk. Die Differenzmaschine von William Gibson und Bruce Sterling

So eine kleine Zwangspause hat auch etwas Gutes. Es ist doch erstaunlich, dass man immer erst merkt was man an einer Sache hat, wenn sie einem mal nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht.

Aber ich schweife ab. Und das wohl ehrlich gesagt aus dem Grund, weil ich mir über das Thema sehr unschlüssig bin: Die Differenzmaschine von William Gibson und Bruce Sterling.

Mir ist das Buch vor Jahren auf der Suche nach weiterem Lesefutter von William Gibson in einer Buchhandlung aufgefallen. Der Klappentext hat mich nicht so angesprochen, dass ich es mir damals gekauft hätte. Vielleicht eine weise Entscheidung, denn selbst mit einer ganzen Reihe von Jahren Lebens- und Leseerfahrung dazwischen, bin ich immer noch ratlos was das Buch den nun genau aussagen soll. Aber was nimmt man nicht alles auf sich um seine Bildungslücken zu schließen …

Es ist atmosphärisch, ohne jeden Zweifel von zwei Könnern geschrieben. Wobei die eigentliche Idee hinter der Geschichte meiner Meinung nach definitiv nicht tragfähig genug für den epischen Rahmen der Geschichte ist. Zudem wirkt die Geschichte zusammen gestückelt.

Also jetzt nicht das Highlight das ich eigentlich – vom in Wikipedia als „Sie ist ein herausragendes Beispiel des Steampunk-Subgenres“ gezeichneten Geschichte – erwartet hätte.

Nun vielleicht bin ich deshalb nie mit Steampunk warm geworden. Obwohl es durchaus gute Vertretter dieser Gattung gibt.

In der Rolle des selber SF-Geschichten schreibenden und als jemand der – durch das Studium weis was Wasserdampf  zu leisten vermag – wundere ich mich warum Dampf hier für eine vergangene Epoche steht?

Aus den Augen aus dem Sinn? Definitiv!

Wenn Sie vor ihrem Rechner sitzen und das hier lesen wird der Strom hierfür zum einer Wahrscheinlichkeit von 80% aus einer Dampfmaschine stammen. Einer sehr moderen: der Dampfturbine. Und das egal ob sie jetzt beim Stromlieferanten explizit Wasser, Wind und Solarenergie bestellt haben oder nicht. Das ist eine kaufmännische Wahl, keine technische oder gar physikalische. Kein Elektron wandert von einem Windrad an der Nordsee zu ihnen in die Steckdose, wenn ein konventionelles Kraftwerk näher an ihnen liegt. Und tot ist Dampf deswegen noch lange nicht, dafür ist dieser Prozess ab einer bestimmten Größe einfach zu effizient.

Aber Retro ist schick und so zurück zum Buch. Steampunk funktioniert nur wenn etwas an den Abläufen der Vergangenheit geändert wird, sonst wäre wir einfach wieder in der heutigen Welt. In der Differenzmaschine ist dieser Wendepunkt der gewaltsame Tot vom Wellington, bzw. der Aufstand der zu seinem Tot geführt hat.

Vielleicht ist das der Schlüssel zum Steampunk: das „Was hätte passiern müssen“, damit eine Steampunk-Welt überhaupt entstehen kann. Also eher eine gesellschaftlich/politische Frage, denn eine die sich um Schrauben, Muttern und Bolzen dreht. Im übertragen Sinne: Das Schaf im Wolfspelz. Vielleicht einer der Gründe für das idealisierte Weltbild des steampunkischen viktorianischen Zeitalters im Vergleich zu der Menschen-fressenden industriellen Revolution. Vielleicht ein Paradox das mit dem Steampunk versöhnt: die Flucht aus einer übertechnisierten Welt – die keiner mehr wirklich verstehen kann oder will – in eine beschauliche, noch verständliche Welt der Technik.

Nun vielleicht doch ein Thema, das ein paar Gedanken mehr verdient hat …

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