Welten an Drähten und wahre Namen.

Virtuelle Welten, ein spannendes Thema!

Es gibt sie in der SF und im realen Leben schon eine ganze Weile. Und ich habe mehr als nur ein paar Stunden in ihnen verdaddelt. Dennoch war es für mich immer im Endeffekt nur ein destruktives Spiel. Und sowas wird irgend wann langweilig …

William Gibsons virteller Cyberpunk-Space hat mich ehr nicht angemacht, Vernor Vinges Welten in „Wahre Namen“ oder im „Cookie-Monster“ schon ehr. Tron war in den 80ern der Hammer (ja der lief damals im öffentlich-rechtlichem Fernsehn!). Später dann lief „Welt am Draht„, in fürchterlicher 70 Jahre Optik, aber wow!

Nun es gab und gibt natürlich schon sehr lange Welten in denen aufgebaut anstatt abgerissen wird, aber entweder was für Mädchen oder langweilig! Nun Second Live viel eigentlich sofort darunter: was da rumlaufen, einfach nur cool aussehen UND dann auch noch Geld für virtuelle Markenklamotten ablatzen? HABT IHR EINEN AN DER WAFFEL?

Bis ja, bis sich dann herausstellte da ist doch mehr drin in dieser virtuellen Welt:

In eine Welt in der die nächste Lesung, das nächste Musikevent nur einem Mausklick entfernt ist. Es gab einiges an Lesungen mitzunehmen und Orte zu sehen mit denen sich jemand wirklich viel Mühe gegeben hat:

Snapshot_001Snapshot_01_005Snapshot_01_003Snapshot_01_006

demnächst mehr …

Veröffentlicht unter Virtuelle Welten | Kommentare deaktiviert für Welten an Drähten und wahre Namen.

William Gibson, Die Neuromancer Trilogie – oder auch Leser werden älter …

20130610_195342

Wie im vorherigen Post schon geschildert, war das Lesen dieses Klassikers der Science Fiction nicht ganz reibungsfrei. Kommen wir aber nun zum  Inhaltlichen:

William Gibson war ein meiner Jugend ein prägendes Ereignis. Science Fiction habe ich vorher schon verschlungen, aber die Kombination aus high Tech, low Life war für den Jugendlichen von damals etwas Neues. Fast schon ein Kulturschock.

Das Ganze jetzt mit locker 20 Jahren Abstand zu lesen ergibt ein etwas anderes Bild. Nicht schlechter, aber anders. Damals war es Science Fiction, heute ist es ganz schwer ’80 Jahre Retroschick. Anders ist natürlich auch die Perspektive, die man als Leser einnimmt.

Damals war Bobby Newmark, der Junge der zum Hacker aufsteigt, eine starke Identifikationsfigur. Aus heutiger Sicht wirkt er als Rotzlöffel, der mit den Großen spielen will und den man nicht wieder los wird. Der klassiche Noob. Man versteht plötzlich den Profi der seinen knallharten Job an den Nagel hängt, um auf der Farm seines getöteten Bruders mit dessen Freundin seßhaft zu werden und eine Familie zu gründen.

Als nicht mehr ganz so störend wird das Product-Placement empfunden. Da einige der Firmen mittlerweile längst verschwunden sind, ist es fast schon wieder nostalgisch.

Ebenso nostalgisch wirkt das Fax-Altpapier als Katzenstreu für die Low-Life Protagonisten. Hier zeigt sich das Science Fiction ehr der Spiegel der Endstehungszeit, denn der Zukunft ist. Nimmt man dieses als Tatsache hin, dann steht dem eigentlichen Genuss der Trilogie nichts mehr im Wege.

Denn das ist das Werk immer noch: ein Meilenstein, den man als gute Unterhaltung immer noch genießen kann. Auch wenn das Setting aus den ’80 Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, reißen einem Charaktäre und Handlung immer noch mit. Und das macht William Gibsons Neuromancer-Trilogie zu einem fast schon wieder zeitlosen Klassiker, der dennoch fest in seiner Entstehungszeit verwurzelt ist.

Kurz: lesen!

Veröffentlicht unter Rezensionen | Kommentare deaktiviert für William Gibson, Die Neuromancer Trilogie – oder auch Leser werden älter …

Ebook v. Papierbuch

Eigentlich hätte dieser Betrag ja eine Rezi von William Gibsons Neuromancer Trilogie werden sollen, ABER … die kommt später.

Nach langer langer Abstinenz habe ich mal wieder in einem Buchladen gestöbert … und bin fündig geworden. William Gibson war ein meiner Jugend ein prägendes Ereignis. Leider habe ich damals definitiv die Bücher in falscher Reihenfolge gelesen und so fehlte etwas die logische Entwicklung. Nun so denn auf diese Jugendsünden auszubügeln, machte ich es mir auf dem Sofa bequem und fing am in dem dicken Wälzer zu schmöckern.

Es war spannend, aber irgendwie auch anstrengend und unbequem. Warum? Nun ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

20130610_195342

Papier ist schwer.

Also habe ich dieses als Unterhaltung getrante Gewicht zur Seite gelegt und mir das Werk noch mal als eBook gekauft. Welch eine Wohltat. Ohne verspannte Arme und Nacken auf der Couch liegen und den Meilenstein der Science Fiction nochmal genießen.

Und dabei über viele, viele papierne Anachronismen schmunzlen …

Veröffentlicht unter Rezensionen, Technisches | 3 Kommentare

„Isch geh Schulhof“ – Eins plus mit Sternchen, setzen …

„Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Schulalltag“ von Phillip Möller.

Wie komme ich dazu? Zu dem Buch?

Ehrlich gesagt war es ein Philip Marlowe würdiger Moment, einsam meine Emails durchstreifend stieß ich auf eine der unzähligen Emails von Amazon. Normalerweise wandern die – nach einem ganz kurzen Blick drauf – in den Papierkorb.

Und aus dem kurzen Blick wurde ein kurzer Klick auf die Webseite, ein kurzer Klick auf die Leseprobe. Nach den ersten Sätzen der Leseprobe wuste ich: nicht dein Genre, ABER ich will das jetzt lesen!

Eigentlich vollkommen unverständlich, wenn obwohl im wohlgeordneten Ost-Westfalen (wers ganz genau wissen will: in Südwesten von Ost-Westfalen) aufgewachsen und zur Schule gegangen, erfüllt mich die Erinnerung an meine Schulzeit immer noch (großteils*) mit Grauen und Unbehagen. Spaß hat mir das Lernen erst wieder nach einem Ausflug ins wirkliche Leben gemacht. Kurz mein Blick auf’s Schulsystem gleicht dem, den man so im allgemeinem Menschen aus extremen Inzestgebieten zuwirft: verstört, mitleidig und froh wenn das Bild wieder aus dem Kopf verschunden ist. Und das schon lange vor Sarrazin.

Nun zurück zum Buch. Es ist ein Page-Turner der verstörende Eindrücke hinterläßt. In manigfaltiger Weise. Nicht nur das Elend zu allererst der Kinder und ihrer Familien und das des deutschen Schulsystems – sondern ein etwas irritierter Eindruck in Bezug auf das wohliege Gefühl, dass der Held der Geschichte alle Hindernisse meistert und weiterhin meistern wird.

So ist es als gute Unterhaltung getarnte … nun was?

Eine Abrechung mit der Berliner Schulbehörde, mit der Personalrefernetin, die den Autor geschaßt hat?

Eine Anleitung zum Bessermachen? Eine Durchhalteparole für Lehrer, eben nicht aufzugeben, sondern für ihre Schüler zukämpfen.

Mit brennenden Fackeln zum Rathaus von Berlin zu ziehen? – Nun jetzt in der Gegend des Debakels von Berlin-Schönefelds BBR-International Airport  wohnend … sagen wir mal wir behalten das als Option im Hinterkopf. Und lassen den Gedanken da.

Nun der Autor würde Letzters wohl trotz oder gerade wegen seiner Situation nicht unterstützen. Es gibt den Weg des friedlichen Widerstandes, den des überlegten und ethischen richtigen Handelns. So nutzen sie ihre legalen gesellschaftlichen und politischen Möglichkeiten! Dem möchte ich mich anschließen.

Nach erfolgter Vorabkontrolle und unter Hinweis auf strikte Nichtzuständigkeit für die Webseite und deren Inhalt: gust du hier -> www.ischgehschulhof.de

 

* es gab auch bei mir Lehrer, die man lobend erwähnen sollte, aber das System inklusive und besonders mit der Verstickungen mit der Politik?

Veröffentlicht unter philosophisches, Rezensionen | Kommentare deaktiviert für „Isch geh Schulhof“ – Eins plus mit Sternchen, setzen …

Rezi „Vernor Vinge: The Children of the Sky“ oder 19 Jahre warten auf die Fortsetzung …

die News ist nicht mehr ganz so taufrisch, den das Buch ist schon 2011 erschienen. Nun zu Pfingsten war ich es dann doch mal überdrüssig auf die deutsche Übersetzung zu warten und habe mir das Original auf den Kindle geladen.

Um es kurz zu machen: meiner Meinung nach ist „ein Feuer auf der Tiefe“ immer noch unerreicht, was aber nicht heißen soll, dass der Roman schlecht wäre. Was kommt schon größeres nach dem ganz großen Knall? Nun Vernor Vinge scheint sich das auch gedacht zu haben und hat 1999 mit „eine Tiefe am Himmel“ ein Prequel zu ein Feuer auf der Tiefe heraus gebracht.
Nun geht es um die wirkliche Fortsetzung, die fast genau da anfängt da wo ein Feuer auf der Tiefe aufhört.

Das Setting ist schon wie bei „eine Tiefe am Himmel“ das „Langsam“ mit seinen Beschränkungen in Technologie und Möglichkeiten. Nun das limitiert somit natürlich die Möglichkeiten des Autors gewaltig gegenüber den Möglichkeiten, die nach dem Zonenmodell von „Ein Feuer auf der Tiefe“ mit dem „Jenseits“ und gar dem „Transzens“ möglich gewesen wären. Schade eigentlich, den das Feuerwerk an Ideen war genau das was „ein Feuer auf der Tiefe“ zu meinem Lieblingsbuch gemacht hat.

Die Geschichte spielt ausschießlich auf dem Planeten der Klauenwesen mit ihrer mittelalterlich anmutenden Welt. Wirklich gravierende Umwälzungen durch, die von den Gestrandeten mitgebrachten, Technologien finden nicht statt, den diese sind schon eine der Säulen gewesen, auf denen „ein Feuer auf der Tiefe“ aufgebaut hat.

Nun was bleibt nun wenn der Autor sein Feuerwerkspulver schon verschossen hat? Großer Katzenjammer?

Ja, und zwar der – der schon aus „ein Feuer auf der Tiefe“ gekannten – Charaktäre. Die hochfliegenden Träume sind auf die Tatsachen des Möglichen zurückgeholt. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Nicht allen Gestrandeten gelingt die Anpassung an die rustikale Umgebung. Neben unverbesserlichen, ewig gestrigen Pest-Leugnern unter den Menschen müssen sich unsere Helden nun auch noch mit den Ränkespielen der Mächtigen unter den Klauenwesen auseinander setzten.

Genug Potenzial für einen mittelalterlich-steampunkigen Triller, bei dem nicht die Technik, sondern die wundersamen Lebewesen der Klauenwelt die erste Geige spielen.

In sich ist der Roman stimmig und unterhaltsam, mit einigen unerwarteten und durch aus interessanten Einfällen des Autors. An einigen Stellen merkt man dem Roman an, das sich der Autor (nach eigenen Aussagen) dabei gequält hat. Es fehlt ihm die Spielfreude und überbordende Phantastik des Originals.

Vielleicht wäre es insgesamt spannender geworden, wenn sich Ravnas Albtäume über die Pest doch noch erfüllt hätten …

Fazit: solide aber kein Quantensprung …

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezensionen | Kommentare deaktiviert für Rezi „Vernor Vinge: The Children of the Sky“ oder 19 Jahre warten auf die Fortsetzung …