{"id":6891,"date":"2018-04-18T21:48:57","date_gmt":"2018-04-18T19:48:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=6891"},"modified":"2018-04-18T21:48:57","modified_gmt":"2018-04-18T19:48:57","slug":"gelesen-robert-corvus-das-imago-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hydorgol.de\/?p=6891","title":{"rendered":"Gelesen: Robert Corvus \u201eDas Imago Projekt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Gelesen: Robert Corvus \u201eDas Imago Projekt\u201c<\/p>\n<p>Es gibt eine Sache, die ich an der Science Fiction besonders liebe: Das Nachdenken \u00fcber \u201eDas was w\u00e4re, wenn\u201c, wie wirken sich Ver\u00e4nderungen von bestimmten Aspekten auf eine Gesellschaft aus. Und ich werde gerne mit Dingen \u00fcberrascht, an die ich so nicht gedacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Besonders Letzteres wird immer seltener. Erz\u00e4hlmuster, Themen und Abl\u00e4ufe wiederholen sich. Als reinem Leser mag einem das nicht so auffallen, aber als jemand der sich selbst mit dem Schreiben und dem Handwerk dahinter besch\u00e4ftigt erkennt man schnell, ob eine Geschichte sich wiederholt oder ein bestimmtes Schema abgearbeitet wird. Die Begeisterung des Amateuers weicht da manchmal der Disziplin des Profis.<\/p>\n<p>Wenn genau das nicht passiert, dann sollte man sich, denke ich, die n\u00f6tige Zeit nehmen um ein Werk zu besprechen, in dem sich gerade kein Muster wiederholt, in dem Fragen gestellt und neue Sichtweisen gefunden werden. Genau das ist Robert Corvus mit \u201eDas Imago Projekt\u201c gelungen. Mir sind viele seiner Perry Rhodan Romane aus der Hauptserie besonders positiv in Erinnerung, eben weil man ihnen anmerkt, das hier viel \u00dcberlegung und M\u00fche in das Umfeld, die Figuren und Schluss endlich dann in die Handlung geflossen sind.<\/p>\n<p>\u201eDas Imago Projekt\u201c setzt auf dem \u201eFeuer der Leere\u201c auf. Wie schon im Vorg\u00e4nger reisen die letzten \u00fcberlebenden Menschen auf Gro\u00dfraumschiffen vor ihren Feinden fliehend durch das All. Ging es im \u201eFeuer der Leere\u201c fast nur um das nackte \u00dcberleben und dem damit verbunden Wort w\u00f6rtlichen Gehen \u00fcber Leichen, so ist in diesem Roman Zeit und Mu\u00dfe von \u00dcberleben zum Leben \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>Die Flotte der Menschen trifft auf der Suche nach einem sicheren Ort auf ein sehr utopisches Gebilde. Eine Dysonsph\u00e4re.<\/p>\n<p>Ah eine Dysonsph\u00e4re, kenn ich, da weis ich wof\u00fcr die gedacht ist und wie es innen drin aussehen wird. Das Sch\u00f6ne ist, genau das alte Bild wiederholt sich nicht. Im Inneren der Dysonsph\u00e4re sieht es ganz anders aus als gedacht. Es stellt sich die Frage, warum baut eine Gesellschaft solch ein gewaltiges, sehr verkopftes und technisch extrem schwierig zu handelndes Unget\u00fcm. Robert Corvus hat auf diese Frage eine sinnvolle Antwort. Eine Antwort, die in einer sich immer schneller um sich drehenden Welt einen Moment des Nachdenkens wert ist. Man merkt, an der Stelle wurde bei mir ein Nerv getroffen, zumal meine eigenen Projekte in eine sehr \u00e4hnliche Richtung gehen. Genau darum geht es beim sich vom Bekannten inspirieren lassen, bei der Inspiration, bei der Idee hinter einem Buch: Man nimmt ein bekanntes Konstrukt und gewinnt ihr eine neue Seite ab.<\/p>\n<p>Die Gesellschaften auf den Schiffen haben sich, wie im Vorg\u00e4nger schon bekannt, in verschiedene Richtungen entwickelt. Robert Corvus hat einen interessanten Zoo verschiedenster Gesellschaftsentw\u00fcrfe auf engsten Raum gepackt. Dieses Konstrukt wirkt etwas zu gesetzt, mir fehlt etwas der Austausch und damit das Angleichen zwischen den Schiffen, bzw den Gesellschaften auf den Schiffen. Bis auf eine Ausnahme: Die ESOX.<\/p>\n<p>Hier finden das Aufeinandertreffen und der Austausch statt. Hier lebt die Umgebung und \u00fcbernimmt damit die Rolle der SQUID aus dem \u201eFeuer der Leere\u201c. Diese Umgebung ist nicht statisch und hier k\u00f6nnen die Figuren sich entwickeln und \u00fcber sich hinauswachsen.<\/p>\n<p>Besonders die Hauptfigur Kara Jeskon. Eine Pazifistin hat es schwer in einer ausschlie\u00dflich auf das \u00dcberleben und dem Verbessern der \u00dcberlebenschance fixierten Gesellschaft.<\/p>\n<p>In Summe hat mir der Roman ausgesprochen gut gefallen. Neben dem Nachdenklichen und der geistigen Forderung zeichnet den Roman noch eine weitere Sache aus: Er ist gut zu lesen. Das ist mir schon l\u00e4nger nicht mehr passiert, dass die Seiten eines Romans so dahin fliegen, weil man in der Geschichte gefangen ist.<\/p>\n<p>Genau dieses Eintauchen und \u201eeingetaucht bleiben\u201c macht eine gute Geschichte, einen guten Roman aus. Damit das passiert, m\u00fcssen die Begeisterung des Amateuers und die Disziplin des Profis zusammen arbeiten. Es geht darum, das Feuer anzufachen anstatt die Asche zu bewahren.<\/p>\n<p>In dem Sinne bleibt von mir die Empfehlung das Buch zu lesen.<\/p>\n<p>Den Autor d\u00fcrfte es freuen wenn es auch gekauft wird, denke ich \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gelesen: Robert Corvus \u201eDas Imago Projekt\u201c Es gibt eine Sache, die ich an der Science Fiction besonders liebe: Das Nachdenken \u00fcber \u201eDas was w\u00e4re, wenn\u201c, wie wirken sich Ver\u00e4nderungen von bestimmten Aspekten auf eine Gesellschaft aus. 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