{"id":5285,"date":"2016-05-09T19:49:26","date_gmt":"2016-05-09T17:49:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=5285"},"modified":"2016-05-09T22:12:42","modified_gmt":"2016-05-09T20:12:42","slug":"gelesen-blutroter-stahl-swordsorcery-geschichten-fuer-brachiale-helden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hydorgol.de\/?p=5285","title":{"rendered":"Gelesen: \u201eBlutroter Stahl. Sword&#038;Sorcery-Geschichten f\u00fcr brachiale Helden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gelesen: \u201eBlutroter Stahl. Sword&amp;Sorcery-Geschichten f\u00fcr brachiale Helden\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Entdeckt habe ich die Anthologie durch <a href=\"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=5276\" target=\"_blank\">die letzte Lesung des BB E-Book Events 2016<\/a>. Nun die Kulisse verhie\u00df Unheil und h\u00e4tte auch f\u00fcr die Lesung aus der \u201eFleisch\u201c Horror-Reihe gepasst. Nichts f\u00fcr sanfte Gem\u00fcter also.<\/p>\n<p>Aber man sollte ein Buch nicht nur nach seinem Cover beurteilen und die Lesungen von Christian G\u00fcnther und Thorsten K\u00fcper machte Lust mal wieder einen Abstecher in das Fantasy-Genre zu unternehmen. Gesagt, getan und die Sammlung von Fantasy-Kurzgeschichten landete auf meinem E-Book-Reader.<\/p>\n<p>Der Kenner des Genres mag jetzt einwenden: Fantasy-Kurzgeschichten? Das h\u00f6rt sich erstmal paradox an, hat aber &#8211; zumindest in diesem Sammelband &#8211; eine erstaunliche Qualit\u00e4t zu Tage gef\u00f6rdert. Ich pers\u00f6nlich denke bei Fantasy mehr an die epische High-Fantasy und mit der h\u00e4tte episches Erz\u00e4hlen und die kompakte und hochverdichtete Erz\u00e4hlweise der Kurzgeschichte wohl nicht zusammengepasst. Aber bei Sword&amp;Sorcery a la \u201eConan\u201c tun sich erstaunliche Parallelen zum Cyberpunk auf, so paradox sich das jetzt auch anh\u00f6ren mag. Abgerissene Punks schlagen sich durch wenig oder ehr dystopisch zivilisierte Umgebungen und versuchen sich als S\u00f6ldner oder Diebe durchzuschlagen. Die magischen Elemente unterscheiden sich in Auswirkung und Ansehen nicht wirklich von der Hightech des Cyberpunks. Und nat\u00fcrlich fliegen die Fetzen. Kurz: alles, was der Junge im Mann total klasse findet. Aber man sollte die Geschichten nicht als simple Unterhaltung abtun, zwischen den Zeilen l\u00e4sst sich einiges lesen. Bei einigen Geschichten Subtiles und Hintergr\u00fcndiges, bei anderen leider weniger Subtiles, zu offensichtlich Moralisierendes.<\/p>\n<p><strong>Christian G\u00fcnther: In den W\u00e4ldern so still.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Geschichte hat mich dazu animiert diese Sammlung zu kaufen, also hat sie mir offensichtlich gut gefallen. Die Geschichte spielt zwar in einem heruntergekommen Wirtshaus an Rande der Wildnis, mutet aber in der Darstellung der Charaktere sehr modern an. Die Geschichte ist dabei sehr atmosph\u00e4risch und spielt gekonnt mit den klassischen Stereotypen des Genres und einer modernen Sicht auf die Welt. Klasse!<\/p>\n<p><strong>Anja Bagus: Das letzte Lied.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man mich fragen w\u00fcrde, welche Geschichte ich f\u00fcr die beste der Anthologie halten w\u00fcrde, die Geschichte von Anja Bagus w\u00fcrde bei mir mit ganz vorne auf der Shortlist landen. Es geht direkt ins pralle Leben einer klassischen Sword&amp;Sorcery Welt. Es gibt einiges zu entdecken und nach und nach enth\u00fcllt sich die Geschichte dem Leser. Mir hat besonders die Wendung am Schluss der Geschichte gefallen. Vielleicht etwas klassisch melodramatisch, aber sehr gelungen und &#8211; sch\u00f6n. Ein Kleinod.<\/p>\n<p><strong>Judith &amp; Christian Vogt: Das Geheimnis des Stahls.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Leben erz\u00e4hlt man nicht ein einer kurzen Geschichte, oder doch? Der Hauptcharakter bleibt trotz der Tatsache, das man ihn fast sein ganzes Leben begleitet seltsam anonym. Dennoch begleitet man ihn auf seinem Lebensweg und ergr\u00fcndet am Ende zusammen mit ihm das \u201eGeheimnis des Stahls\u201c. Die Geschichte bleibt mit ein paar Punkten, \u00fcber die man noch etwas gr\u00fcbeln kann und ich finde, das zeichnet eine gute Geschichte aus. Klasse!<\/p>\n<p><strong>Thorsten K\u00fcper: Findet Frieden unter den geborstenen Monden.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Geschichte atmet Atmosph\u00e4re, man kann die Umgebung riechen, schmeckt Blut und Sand in seinem Mund, w\u00e4hrend sich der Staub der anr\u00fcckenden Arme auf die Lunge legt. Diese Kurzgeschichte st\u00f6\u00dft einen mit der Nase tief in die Welt, in der sie spielt, anstatt nur kurz dar\u00fcber hinweg zu huschen. In dieser Geschichte ist der Held nicht der klassische Conan, sondern eines der unz\u00e4hligen Opfer auf dem Weg des alles zermalmenden Schicksalsrades. Wirklich? Es folgen noch ein paar k\u00fcpersche b\u00f6se \u00dcberraschungen, die diese Geschichte zu einem harten Konkurrenten f\u00fcr Anja Bagus Kurzgeschichte machen. B\u00f6se, aber gut!<\/p>\n<p><strong>B. C. Bolt: Die Rosine im Kuchen.<\/strong><\/p>\n<p>Das der Titel des Geschichte mit der Geschichte selbst zu tun hat erschlie\u00dft sich mir nicht wirklich, daf\u00fcr ist die Geschichte selbst alles andere als unzug\u00e4nglich. Ich pers\u00f6nlich habe mich als Leser etwas unterfordert gef\u00fchlt, aber dennoch war es keine schlechte Kurzgeschichte. Die Charaktere waren sympathisch und die Geschichte hatte eine nette und \u00fcberraschend spitze Schlusswendung. Vielleicht nicht die beste Geschichte der Anthologie, aber auch nicht die Schlechteste.<\/p>\n<p><strong>Marc Geiger: Die tr\u00e4umende Stadt.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Geschichte ist ein weiteres Kleinod der Sammlung. Marc Geiger versteht es in seiner Geschichte klassische Sword&amp;Sorcery in eine Kurzgeschichte zu verdichten. Wenn eine Geschichte die scheinbar paradoxe Aufgabenstellung perfekt umgesetzt hat dann diese. Sehr klassisch und das Genre perfekt bedienend entsteht auf wenigen Seiten eine eigene Welt, die sich definitiv nicht vor den Schwergewichten des Genres verstecken muss. Langsam wird es eng an der Spitze des Olymps.<\/p>\n<p><strong>Kay Noa: Treue.<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl es einige witzige Stellen in der Geschichte gab, h\u00e4tte ich mir gew\u00fcnscht, dass diese Geschichte eine k\u00fcrzere Kurzgeschichte gewesen w\u00e4re. Der Erz\u00e4hlstiel ist ausschweifend und umkreist des Pudels Kern geschickt in weiten Bahnen. So r\u00e4tselt dieser Leser der Geschichte worum es denn hier nun genau ging. Wenn man die Geschichte dagegen als Parodie auf das Genre sieht, dann entfaltet sich doch eine Menge Witz. Ich lass das an dieser Stelle einfach mal offen. \u201eJa, Khasay, offen!\u201c \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Tom Daut: Die letzte Schlacht.<\/strong><\/p>\n<p>Gleich bei den ersten Zeilen h\u00f6re ich den leidenschaftlichen Erz\u00e4hler, der jede Lesung zu einem Event macht. Wenn blutiger Stahl zu erwarten ist, dann hier. Der Leser wird nicht entt\u00e4uscht. Aber man sollte sich nicht von der anhaftenden Theatralik blenden lassen, der Schluss dieser Geschichte wartet mit einer gut vorbereiten Wendung auf, die sich definitiv nicht vor der in Thorsten K\u00fcpers Geschichte verstecken muss. Mir hat es gefallen. Klasse!<\/p>\n<p><strong>Gloria H. Manderfeld: (K)ein Held f\u00fcr einen Tag.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Geschichte fing stark an, schloss aber so subtil wie eine Kirchenpredigt. Etwas weniger Schadenfreude am Schluss der Geschichte, h\u00e4tte diese Kurzgeschichte zu einem Kleinod werden lassen. Dabei hat mir die Grundidee und die Lebendigkeit der Welt und der darin lebenden Charaktere recht gut gefallen. Dem Schluss fehlt es etwas an Hintergr\u00fcndigkeit und Raffinesse, um diese Geschichte ganz oben mitspielen zu lassen. Auf dem letzten Meter gestolpert, leider.<\/p>\n<p><strong>Daniel Isberner: Die Rache.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Geschichte macht die Anthologie von Fantasy Kurzgeschichten zu einem gelungenen Experiment. Dabei pendelt diese Geschichte mehr in Richtung einer fulminaten Schlusswendung. Sehr lebendig und mit einer Wendung, die einem erstmal Schlucken l\u00e4sst. Am Ende eines langen Romans sollte man solch eine Wendung besser nicht bringen, wenn man nicht das Genre Horror gleich mit bedienen oder es sich mit seinen Fans komplett verscherzen will. Aber bei einer Kurzgeschichte passt es. Das Genre geht also auch als Kurzgeschichte. Klasse.<\/p>\n<p><strong>Christel Scheja: Der Weg einer K\u00f6nigin.<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg der K\u00f6nigin wird etwas epischer, lass sich aber kurzweilig, wenn man von ein paar Stellen absieht, an denen man vielleicht noch etwas h\u00e4tte k\u00fcrzen k\u00f6nnen. Eine runde Geschichte mit einem vielleicht etwas zu glatten Ende. Aber sch\u00f6n erz\u00e4hlt und angenehm atmosph\u00e4risch.<\/p>\n<p><strong>Florian Wehner: Wiedergeburt.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Ein gefallener Held auf dem Weg zur Wiedergeburt. Auf dunklem Pfad f\u00fchrt uns die Geschichte in einen dunklen Tempel in dem Schwert und Zauberei die Klingen kreuzen. Es ist nicht alles, wie es scheint, aber dennoch f\u00fchrt der Weg zum Licht durch eine dunkle Gasse voller Blut. Mich hat die Geschichte gefesselt. Klassische Sword&amp;Sorcery mit einer nicht ganz \u00fcberraschenden Wendung, wobei das Ganze noch einen Hauch von Clint Eastwood hatte. Conan in intelligent und glaubw\u00fcrdig, was will man mehr?<\/p>\n<p><strong>Mike Krzywik-Gro\u00df: Der Kr\u00e4henk\u00f6nig.<\/strong><\/p>\n<p>Ein versnobter Gnom und ein gealterter Haudegen, der seine guten Tage schon l\u00e4ngst hinter sich hat. Es macht Spa\u00df dieses ungleiche Duo auf ihrem vielleicht letzten Abenteuer zu begleiten. Sehr humorig geht es dem Kr\u00e4henk\u00f6nig an den Kragen und die Schlusswendung fand ich absolut gelungen. Ein kleiner Schlag auf den Hinterkopf, der eine Kurzgeschichte zu einer guten Kurzgeschichte macht. Klasse!<\/p>\n<p><strong>Peter Hohmann: Blutstein.<\/strong><\/p>\n<p>Eine klassische Sword&amp;Sorcery Diebesgeschichte, die gar nicht so ausgeht, wie man es erwarten w\u00fcrde. Ein sch\u00f6nes Spiel mit der Erwartung des Lesers, atmosph\u00e4risch und lebendig erz\u00e4hlt. Man bekommt mehr als man urspr\u00fcnglich vermuten mag. Klasse.<\/p>\n<p><strong>Torsten Exter: Die Welle der Meeresbiester.<\/strong><\/p>\n<p>Eine eigentlich sch\u00f6ne Idee, aber nicht ganz schl\u00fcssig erz\u00e4hlt. Diese Geschichte erinnert etwas an eine Collage. Man kann erkennen, worum es geht, aber man merkt der Geschichte ihre inneren Spr\u00fcnge an. Es fehlt mir etwas die \u00fcberraschende Wendung, die Geschichte ist zu linear erz\u00e4hlt und der Schluss \u00fcberzeugt mich nicht. Sprachlich gut geschrieben, aber der Sprung kann noch so sch\u00f6n sein, wenn man dabei die Latte rei\u00dft: gerissen ist gerissen.<\/p>\n<p><strong>In Summe<\/strong> eine gelungene und absolut lesenswerte Fantasy-Kurzgeschichten Anthologie. Da waren eine Menge mehr Perlen mit dabei, als die blutr\u00fcnstige Aufmachung vermuten lie\u00df. Klasse!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gelesen: \u201eBlutroter Stahl. 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