{"id":3464,"date":"2015-03-28T14:37:47","date_gmt":"2015-03-28T13:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=3464"},"modified":"2015-03-28T17:17:28","modified_gmt":"2015-03-28T16:17:28","slug":"schreiben-an-draehten-science-fiction-seminar-in-second-life-tag-3-cechov-gate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hydorgol.de\/?p=3464","title":{"rendered":"Schreiben an Dr\u00e4hten \u2013 Science-Fiction-Seminar in Second Life &#8211; Tag 3 &#8211; &#8222;Cechov-Gate&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe lange mit mir gerungen &#8211; soll ich einen Beitrag \u00fcber ein Ereignis schreiben, \u00fcber das man jetzt nicht mit aller Gewalt etwas schreiben muss? Intelligentere Geister als ich w\u00fcrden jetzt vielleicht einfach den Mantel des Schweigens ausbreiten und Gras \u00fcber die Sache wachsen lassen &#8230;<\/p>\n<p>Dennoch. Um ehrlich zu sein, Tag Nr.3 war am Montag &#8211; jetzt ist Samstag. Habe ich jetzt so lange \u00fcber dieses Thema gebr\u00fctet? Um ehrlich zu sein: nicht wirklich. Es gab andere Dinge, wie z.B. das Flugzeugungl\u00fcck mit 150 Toten in Frankreich. Eine fast einw\u00f6chige Dienstreise, mit Transport, Aufbau, \u00dcbergabe und Schulung f\u00fcr die neuen Besitzer des Dings, das da transportiert worden ist.<\/p>\n<p>Aber wie immer, es gibt ein \u201eAber\u201c. Einerseits gekr\u00e4nkte Egos, eine abgebrochene Veranstaltung und nat\u00fcrlich die Frage nach dem Warum, nach dem \u201ewas zum Teufel ist da jetzt schiefgegangen?\u201c.<\/p>\n<p>Long Story short: Der Dozent hat eine Aufgabe f\u00fcr den 3. Tag gestellt und nat\u00fcrlich kam das kommen musste: Die Gausche Glockenkurve hat zugeschlagen. Einer hat alle Punkte der Aufgabe erledigt, einer (fast) nichts und der gro\u00dfe Rest hat einen Teil gemacht. Also die \u00fcbliche Normalverteilung. Und nat\u00fcrlich gab es den Effekt, den jeder aus der Schule und dem Studium kennen sollte: Die Sch\u00fcler fanden die Aufgabe zu schwer und der Lehrer eigentlich noch viel zu leicht. Es gab eine kurze Diskussion, an deren Ende der Dozent die Veranstaltung f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt hat und einfach f\u00fcnf Leute mit offenen M\u00fcndern hat stehen lassen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Frage, ob das in Ordnung ist oder nicht, kann man sich streiten, ebenso dar\u00fcber, ob die eine oder andere \u00c4u\u00dferung zu dem Thema wirklich notwendig war.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Korpus Delikti, den f\u00fcnf Kurzgeschichten aus dem 19. Jahrhundert. Ein Exkurs in die Anf\u00e4nge der literarischen Kunstform Kurzgeschickte? Nat\u00fcrlich, warum nicht? Man will schlie\u00dflich etwas lernen und so denn auf zur Tat.<\/p>\n<p>Gut die Texte gab es als Link auf die englische Version, fairerweise mit den Namen der deutschen \u00dcbersetzung. Die Version in englischer Sprache lie\u00df sich also eigentlich problemlos beschaffen, bei der deutschen Version sah das schon etwas anders aus.<\/p>\n<p>Nun denn, also versuche ich mich dann mal gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, wie ich bin, an Herman Melvilles \u201cBartleby, the Scrivener\u201d (1853, \u201cBartleby, der Schreiber\u201c). Blamed to be an owner of pragmatic english language skills, Google and Leo got good friends for the next few days. Nach der Recherche, was es denn nun mit dem amerikanischen Postsystem und den toten Briefen auf sich hat, verschaffte das mir weitere erhellende Ansichten \u00fcber eine vergangene Welt. Eine Welt, die mir fremder ist als die Welten der Zukunft. Ich ertappe sich selbst immer wieder, wie ich mir die Frage stelle, wie w\u00fcrde das hier ohne Computer \u00fcberhaupt alles funktionieren?<\/p>\n<p>Offensichtlich muss das ja irgendwie funktionieren. Mit Papier und Schreibfedern. Keine Kopierer, keine Emails, keine Drucker, keine Scanner. Keine Garantie, dass die h\u00e4ndische Kopie des Geschriebenen mit dem Original \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p>Nun diese Fragen sind jetzt vollkommen unliterarisch, aber f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Geschichte meiner Meinung nach unumg\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Nun denn, wie wohl nach der Lekt\u00fcre der 3 von 5 aufgegebenen Geschichten f\u00e4llt auch hier ein etwas ausschweifender Erz\u00e4hler in der ersten Person auf. Ob das jetzt Vorliebe des Dozenten oder Standard der damaligen Zeit ist, kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen. Bei Melville zumindest ist dieses ein sehr sympathischer \u00e4lterer Herr, der die Schrullen seiner Angestellten mit unglaublichem Langmut ertr\u00e4gt und sich zudem aufopfernd um sein besonderes Sorgenkind, eben besagten Schreiber Bartleby, k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Nun die Wendung bzw. die Aufl\u00f6sung der Geschichte lass ich hier einfach mal wegfallen, aber dennoch erf\u00fcllte mich eine ebenso wohlige Stimmung wie nach der Lekt\u00fcre von <a title=\"Rezi: Dan Simmons \u2013 Die Hyperion-Ges\u00e4nge\" href=\"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=3068\" target=\"_blank\">Dan Simons \u201eDie Hyperion-Ges\u00e4nge\u201c<\/a>. Eine faszinierende Mischung aus Langeweile und Spannung. Die Frage: \u201eWas ist den nun mit diesem Bartleby los?\u201c h\u00e4lt einen gefangen und in der Geschichte. Das trotz einiger L\u00e4ngen in der Erz\u00e4hlung und einiger notwendiger Recherchepausen. Melville versteht es meisterhaft ein Spannungsfeld aufzubauen, an dem er seine sozialkritische Geschichte in voller psychologischer Tiefe an den Mann vermitteln kann. Ein Meisterwerk!<\/p>\n<p>Und dann, ja dann kam die Kurzgeschichte von Cechov. Es ging wohl nicht nur mir so das sich hier die <a href=\"http:\/\/sabine-schaefers.de\/die-arroganz-der-alten-maenner\/\" target=\"_blank\">Genialit\u00e4t der Geschichte nicht erschlie\u00dfen lie\u00df<\/a>. Ob es an meiner Beherrschung oder besser Nichtbeherrschung des Englischen lang, wer weis &#8230;<\/p>\n<p>Dann die Geschichte von Edgar Alan Poe. Nach ein paar S\u00e4tzen habe ich mir dann noch den Text auf Deutsch organisiert (0,99 \u20ac, die gesammelten Werke Poes). Nun das man in heutiger Zeit mit dem durchkommen w\u00fcrde, was Poes Erz\u00e4hler hier so von sich gibt? Ich erdreiste mich das hier einfach mal anzuzweifeln. Die Geschichte l\u00e4sst sich wohl nur \u00fcber die Betrachtung der Metaebene, die Interpretation der Figuren als Prinzipien als \u201ewertvoll\u201c erachten. Ob das so vom Autor vorgesehen war? Wer weis, eine Diskussion h\u00e4tte das vielleicht zu Tage gef\u00f6rdert &#8230;<\/p>\n<p>Nun diese Frage h\u00e4tte vielleicht auf dem Seminar er\u00f6rter werden k\u00f6nnen. Schade, mit dem Abbruch der Reihe wurden viele Chancen vertan.<\/p>\n<p>Und die anderen Geschichten? Ehrlich, keine Ahnung! Ich habe sie nicht gelesen. Wenn ich Zeit daf\u00fcr und die deutsche Version finde, werde ich mich vielleicht daran versuchen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe lange mit mir gerungen &#8211; soll ich einen Beitrag \u00fcber ein Ereignis schreiben, \u00fcber das man jetzt nicht mit aller Gewalt etwas schreiben muss? 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