{"id":2418,"date":"2014-07-13T01:01:17","date_gmt":"2014-07-12T23:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=2418"},"modified":"2014-08-11T17:53:00","modified_gmt":"2014-08-11T15:53:00","slug":"schreiben-ist-schreiben-und-der-schriftstellerfuehrerschein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hydorgol.de\/?p=2418","title":{"rendered":"Schreiben ist Schreiben und &#8230; : Der Schriftstellerf\u00fchrerschein"},"content":{"rendered":"<p>Wie komme ich jetzt auf die \u00dcberschrift? Wie immer, wenn man keine gute, kurze Antwort auf den Lippen hat, sagt man: Gute Frage!<\/p>\n<p>Ein Anlass war vielleicht der launige Artikel von <a href=\"http:\/\/www.tomhillenbrand.de\/2014\/07\/11\/lassen-sie-mich-durch-ich-bin-schriftsteller\/\" target=\"_blank\">Tom Hillenbrand: Lassen Sie mich durch, ich bin Schriftsteller<\/a>. Ja launig, aber zum Schluss will man doch rufen: &#8222;Lieber Herr Chirurg, wenn es ihnen ernst ist, schreiben Sie ihren Roman, Ihre Geschichte.&#8220;<\/p>\n<p>Warum?<\/p>\n<p>Darum. Manche Geschichten wollen oder sollten erz\u00e4hlt werden. Und mal ehrlich? Niemand wird sterben wenn ihr Buch dann doch nichts taugen sollte. Das f\u00fchrt uns gleich zur n\u00e4chsten Frage: Kann man vom Leute aufschneiden leben? Nun, wenn man ins Genre der Berufsm\u00f6rder wechseln m\u00f6chte, bestimmt!<\/p>\n<p>Aufschneiden wird wohl nicht das Problem sein, zun\u00e4hen und den Patienten nachher \u00fcberleben lassen schon. Es hat einen Grund warum \u00c4rzte das studieren und man nicht sofort mit einem Skalpel auf die Menschheit losgelassen wird.<\/p>\n<p>Nun beim Schreiben ist die Situation anders. Niemand ist in dem Bereich so vollkommen unvorbereitet, schlie\u00dflich hat fast jeder das Lesen und Schreiben in der Institution gelernt, die sich Schule nennt. Also aufschnippeln und zun\u00e4hen klappt schon mal.<\/p>\n<p>So jetzt muss der Patient, die Geschichte, die ganze Prozedur nur noch \u00fcberleben. Und genau das lernt man eben nicht in der Schule. Wenn ich mal an meine Schulzeit zur\u00fcckdenke, dann habe ich im Lateinunterricht mehr \u00fcber Deutsch gelernt, als im Deutschunterricht. Oder sagen wir es mal so, ich habe pl\u00f6tzlich verstanden, was der gute Mensch da vorne mir erz\u00e4hlen m\u00f6chte. Gut, ganz umsonst wird es wohl schon nicht gewesen sein, aber ganz ohne Eigeninitiative wird es nichts mit dem Selberschreiben.<\/p>\n<p>Warum eigentlich?<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt noch einiges mehr an Handwerk zum Schreiben eines Romans, als das was man so allgemein in der Schule beigebracht bekommt. Vielleicht bin ich jetzt unfair, denn ich beziehe mich jetzt auf meine pers\u00f6nlich gemachten Erfahrungen und die liegen schon eine ganze Weile zur\u00fcck. Aber wenn man sich mit dem Schreiben und dem Ver\u00f6ffentlichen besch\u00e4ftigt, st\u00f6\u00dft man doch auf eine \u00e4u\u00dferst merkw\u00fcrdige Einstellung zum Thema Schreiben lernen. Verallgemeinert beschrieben lautet die in etwa:<\/p>\n<p>&#8222;Schreiben ist angeboren und kann man es nicht lernen. Entweder man hat es oder nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Echt, wirklich? Goethe und Thomas Mann sind einfach so mit der Feder in der Hand aus dem Ei geschl\u00fcpft und waren sofort gro\u00dfe Schriftsteller? Ich denke nicht, Tim! Auch jene werden, wie jeder andere Mensch auch, das Schreiben erst gelernt haben m\u00fcssen. Gut, ich war jetzt nicht pers\u00f6nlich anwesend, aber mir ist bisher noch kein Fall bekannt in dem irgend ein Mensch sofort lesen und schreiben konnte, ohne es vorher gelernt zu haben.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Fehler in dieser Diskussion ist schon mal, das eigentlich das falsche Wort f\u00fcr die T\u00e4tigkeit verwendet wird. Denn, was man wirklich bei der Erstellung eines Buchmanuskriptes tut, ist eine Geschichte erz\u00e4hlen. Das man es einem Blatt Papier oder einen Schreibprogramm erz\u00e4hlt, tut eigentlich nichts zur Sache. Man k\u00f6nnte es genauso gut einem Menschen erz\u00e4hlen und dabei ein Aufnahmeger\u00e4t laufen lassen. Die T\u00e4tigkeit des Schreibens ist dabei eigentlich nur ein sekund\u00e4rer Vorgang. Es ist blo\u00dfes Auf-Schreiben. Was wirklich z\u00e4hlt ist die Geschichte selbst, das sind die Charaktere und das Umfeld der Geschichte.<\/p>\n<p>Und da kommen wir schon dem Kern des Problems n\u00e4her, denn eine gute Geschichte erz\u00e4hlen, das kann wirklich nicht jeder. Ob man das lernen kann? Ob es jeder lernen kann? Vielleicht nicht, aber man kann es zumindest versuchen.<\/p>\n<p>Was hilft ist vielleicht sich an die Geschichten zur\u00fcck erinnern, die man selbst geliebt hat. Und die dann einfach mal in eigenen Worten nacherz\u00e4hlen. Eine Nacherz\u00e4hlung? Verdammt, ich habe es doch in der Schule gelernt!<\/p>\n<p>Na ja, fast. Was bei mir wirklich geholfen hat, ein Manuskript zu erstellen, die Geschichte zu Ende zu erz\u00e4hlen, war auch nicht der Frey. Nicht falsch verstehen, der Frey war ein guter Einstieg, aber auch nicht der eigentliche Durchbruch. Der eigentliche Durchbruch war: ich WILL jetzt die Geschichte erz\u00e4hlen. Ob das jetzt gelungen ist oder nicht, mag jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden. Schreiben ist wie eine Fremdsprache lernen. Grundlagen sind gut und wichtig, aber den eigentlichen Durchbruch erlebt man erst wenn man es wirklich selbst tut. Es ist der Moment in dem man sich bewusst wird, das man gerade in einer fremden Sprache gedacht hat.<\/p>\n<p>Das Einlassen, das Tun ist wichtig.<\/p>\n<p>Wie kriege ich jetzt den Bogen zum Schriftstellerf\u00fchrerschein? Man sollte vielleicht etwas fr\u00fcher mit dem Erlernen des Genschichtenerz\u00e4hlens anfangen. Vielleicht bekommt man damit die Leute, die im normalen Deutschunterricht untergehen. Ein Zettel, auf dem steht das man etwas kann ist, zumindest in Deutschland, eine ganze Menge wert. Wenn man einen F\u00fchrerschein hat, fragt einem auch keiner mehr, ob man den Autofahren kann. Die Fahrk\u00fcnste sind vielleicht nicht besonders gut und ob man vom Autofahren leben kann, steht auch auf einem anderen Blatt, aber die grunds\u00e4tzliche F\u00e4higkeit ist schon mal nachgewiesen.<\/p>\n<p>Es wird jetzt nicht jeder ein Walter R\u00f6hrl oder ein Michael Schuhmacher, aber man bleibt zumindest auf der Stra\u00dfe. Meistens jedenfalls.<\/p>\n<p>Was nach der Fertigstellung des Manuskript kommt, ist eine andere Geschichte, dazu vielleicht sp\u00e4ter mehr &#8230;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Als kleines Schmankerl bis dahin sollte man sich diesen <a href=\"http:\/\/www.vomschreibenleben.de\/7-gruende-warum-du-sehr-wohl-vom-schreiben-leben-kannst\/\" target=\"_blank\">Artikel<\/a> g\u00f6nnen. Zum Schluss aber doch noch ein gut gemeinter Rat: \u201eDon&#8217;t give up your day job!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie komme ich jetzt auf die \u00dcberschrift? Wie immer, wenn man keine gute, kurze Antwort auf den Lippen hat, sagt man: Gute Frage! Ein Anlass war vielleicht der launige Artikel von Tom Hillenbrand: Lassen Sie mich durch, ich bin Schriftsteller. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.hydorgol.de\/?p=2418\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[12,20,16,21,15],"tags":[],"class_list":["post-2418","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alternative-welten","category-lesungliterarisch","category-philosophisches","category-real-life","category-technisches"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3Or1N-D0","jetpack-related-posts":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2418","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2418"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2418\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2433,"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2418\/revisions\/2433"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2418"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2418"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hydorgol.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2418"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}