{"id":2387,"date":"2014-07-06T14:49:54","date_gmt":"2014-07-06T12:49:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hydorgol.de\/?p=2387"},"modified":"2014-07-11T07:37:58","modified_gmt":"2014-07-11T05:37:58","slug":"schreiben-ist-schreiben-und-malen-nach-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hydorgol.de\/?p=2387","title":{"rendered":"Schreiben ist Schreiben und &#8230; malen nach Zahlen"},"content":{"rendered":"<p>Leugnen ist zwecklos, das Thema Schreiben und das damit verbundene Drumherum l\u00e4sst mich doch nicht ganz in Ruhe. Eigentlich sollte ich an meinen eigenen Projekten arbeiten, anstatt hier an diesem Blogartikel zu schreiben.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich ist das das Rezept der erfolgreichen Schriftsteller: es tun, anstatt zu viel dar\u00fcber nachzudenken. Andererseits man lernt aus seinen Fehlern, nicht aus seinen Erfolgen. Warum \u00fcber Dinge nachdenken, die funktionieren?<\/p>\n<p>St\u00f6bert man im Internet zu dem Thema wird man schnell f\u00fcndig: Ratgeber und Diskussionen an allen Ecken und Enden. Mache gut, mache so eher nicht. Was mir relativ schnell aufgefallen ist: es wird flei\u00dfigst von einander abgeschrieben.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Kill your Darlings<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">late in, early out<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Konflikt, Konflikt, Konflikt<\/p>\n<\/li>\n<li>und wie sie alle hei\u00dfen m\u00f6gen &#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die g\u00e4ngigen Tipps werden wie ein Mantra flei\u00dfig wiederholt. Ganz falsch sind sie nicht, aber auch nicht die reine Wahrheit. Vieles ist \u00fcber den gro\u00dfen Teich geschwappt. Verst\u00e4ndlich, den dort wird Schreiben als Handwerk begriffen, das man lernen kann. Im Gegensatz zur vollkommen versnobten Meinung &#8222;Genie ist angeboren&#8220;, die man als klassisch Deutsch ansehen kann. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte.<\/p>\n<p>Nicht jeder wird, so viel wie er sich auch m\u00fcht, es auf den Olymp schaffen, aber das ist bei weitem kein Grund es nicht zu versuchen. Ein kleiner bis mittlerer Berg ist machbar. Die Zeiten sind, wenn man es recht betrachtet, so g\u00fcnstig wie nie.<\/p>\n<p>Um einen ganz b\u00f6sen Satz zu zitieren: &#8222;Jeder Analphabet und sein Hund kann heute ver\u00f6ffentlichen&#8220;. Dieser Satz ist b\u00f6se, hinterh\u00e4ltig und zu dem noch falsch. Ein Analphabet, der ein Buch geschrieben hat, ist nachher kein Analphabet mehr. Wie h\u00e4tte er sonst Buchstaben zu W\u00f6rtern, W\u00f6rter zu S\u00e4tzen und S\u00e4tze zu einer Geschichte zusammen f\u00fcgen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Gut, der Satz ist im \u00fcbertragenen Sinne gemeint und \u00fcberspitzt. Zwei Dinge stecken meiner Meinung nach dahinter:<\/p>\n<p><strong>Erstens: Ein Mangel an Qualit\u00e4t.<\/strong><\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt wiederum an zwei Dingen. Mangelndes Handwerk und noch viel schlimmer: die Werke sind einfach noch nicht fertig!<\/p>\n<p>Ich stehe auf Analogien, ich kann es nicht leugnen. Meine pers\u00f6nliche Analogie ist die des Schmieden eines Schwertes. Da folgen eine ganze Menge Schritte aufeinander. Erstmal man braucht die richtigen Ausgangsmaterialien, Werkzeug, eine Schmiede und nat\u00fcrlich das handwerkliche K\u00f6nnen. Und nat\u00fcrlich Zeit und Konzentration.<\/p>\n<p>Kein Meister ist je von Himmel gefallen. Man muss das Handwerk einfach lernen und das hei\u00dft \u00fcben, bewerten, korrigieren. Ein permanenter Prozess. Dabei arbeitet man zudem vom Groben ins Feine und schmiedet das Eisen solange es hei\u00df ist. Dann wird gerichtet, kleinere Schwachstellen ausgebessert, geh\u00e4rtet und dann geschliffen und poliert.<\/p>\n<p>Diese Analogie funktioniert f\u00fcr mich, aber sie hat auch ihre Schwachstellen, bzw. es gibt f\u00fcr einige Aspekte bessere Analogien. Eine andere gute ist vielleicht die des Whiskymachens. Eine Menge Weichen f\u00fcr den Whisky werden schon gestellt, bevor der eigentliche Brand gestartet wird. Was f\u00fcr ein Getreide wird genommen, wie wird es gem\u00e4lzt, mit Rauch oder ohne? Dann der Brand, das muss dann hoch konzentriert und z\u00fcgig vonstatten gehen. Schlie\u00dflich die Fassreifung. Da kommt es dann auf Ausdauer und Geduld an. Die F\u00e4sser sollte man aber cleverer Weise vor den Brand ausgesucht und fertig zum Bef\u00fcllen haben.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum eigentlichen Thema. Nein, kein Manuskript ist ein Rohdiamant und der Betrachter ist nur zu doof ihn in der Schlacke zu finden. Das Schwert ist krumm und nicht geh\u00e4rtet, vom Schliff und Politur mal ganz abgesehen. Vor dem Brand hat man die tote Ratte nicht aus dem Gem\u00e4lzten genommen. Da n\u00fctzen einen dann die besten Zutaten und die besten F\u00e4sser nichts, ein Hauch von toter Ratte bleibt. Kurz das sind handwerkliche Fehler, die man vor der Ver\u00f6ffentlichung besser ausmerzen sollte.<\/p>\n<p>Wer sehr viel Gl\u00fcck hat, hat einen Meister bei dem er\/sie lernen kann. Dieses ist aber den meisten verwehrt. Es gibt aber Kurse, Schreibgruppen und gute Testleser. H\u00fcten sollte man sich nur vor den Testlesern die auf Tote Ratte im Whisky stehen \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Wie gesagt es ist noch kein Meister von Himmel gefallen. \u00dcben, \u00fcben, \u00fcben. Auch mit \u00fcbertragenem Malen nach Zahlen anzufangen ist nicht falsch. Man sollte sich nur schnell wieder davon l\u00f6sen und irgendwann zum freih\u00e4ndigen Malen \u00fcbergehen, wenn man es auf den etwas h\u00f6heren Berg schaffen will.<\/p>\n<p><strong>Zweitens: die Angst um das eigene St\u00fcck vom Kuchen<\/strong><\/p>\n<p>Besonders verbreitet bei denen, die von Kuchen leben m\u00fcssen und absolut verst\u00e4ndlich. Der Kuchen ist nicht beliebig gro\u00df und das Verteilungssystem war \u00fcber Jahrzehnte ausgekl\u00fcgelt und relativ stabil.<\/p>\n<p>Nur, die Zeiten \u00e4ndern sich und wer sich nicht anpasst, geht unter. Wobei anpassen nicht ducken sondern auch k\u00e4mpfen bedeuten kann. Man sollte dabei nur die richtigen Schlachten schlagen.<\/p>\n<p>Auf die vielen Hobbyschreiber zu schimpfen halte ich f\u00fcr ethisch grenzwertig und langfristig f\u00fcr t\u00f6dlich. Denn das sind diejenigen, die lesen und sich f\u00fcr Literatur interessieren. Auch wenn es der &#8222;Hausfrauenroman&#8220; sein mag. Auch den kann man gut schreiben. Ausgebildete Leser, die das Handwerk kennen und sch\u00e4tzen, bemerken den Unterschied zwischen gut und schlecht eher als der reine Konsument. Literatur nur f\u00fcr die oberen 10.000 Snobs, das erledigt sich irgendwann von selbst. Niemand f\u00e4ngt freiwillig mit Kafka als erste Lekt\u00fcre an. Und mal ehrlich, mich h\u00e4tte der in der Schule fast vom Lesen vergrault.<\/p>\n<p>Auch auf das gro\u00dfe A zu schimpfen ist nur ein Teil der Wahrheit. Ja, sie haben in den Staaten eine W\u00fcste hinterlassen, aber das liegt nicht an Amazon, sondern an den Leuten die den Raubtierkapitalismus zum Kredo erhoben haben. Nachhaltigkeit ist hier das Stichwort. Ja, es muss auch Schutzzonen f\u00fcr die Kleinen und Schwachen geben, in denen die einen wachsen und die anderen genesen k\u00f6nnen. Was aber jetzt nicht wei\u00dft, das alles zur Schutzzone f\u00fcr die Dinosaurier erkl\u00e4rt werden sollte. Kundenfreundlichkeit und Gesch\u00e4ftssinn sind willkommen, Dumping und verbrannte Erde hinterlassen nicht!<\/p>\n<p>Was auch hei\u00dft, das es absolut notwendig ist, den Nachwuchs zu f\u00f6rdern und zu bilden. Unter den Autoren, aber auch besonders unter den Lesern.<\/p>\n<p>Analphabeten lesen nicht und kaufen keine B\u00fccher!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leugnen ist zwecklos, das Thema Schreiben und das damit verbundene Drumherum l\u00e4sst mich doch nicht ganz in Ruhe. Eigentlich sollte ich an meinen eigenen Projekten arbeiten, anstatt hier an diesem Blogartikel zu schreiben. 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